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Dienstag, 15. Mai 2007

Langsam fahren: Liegender Polizist

Wer sich in den französischen Straßenverkehr begibt, lebt gefährlich. Das nicht nur, weil auf der Autobahn ein grob geschätztes Drittel konstant linksblinkend auf der Rechten Seite fährt. Auch die mehrspurigen Kreisverkehre sind nicht der einzige Grund. Diese sind meiner Meinung nach sogar deutlich vorteilhafter als die Straßenkreuzungen. Dort mangelt es erheblich an Vorfahrtsschildern.

Viel gefährlicher erscheinen mir hingegen Eselsrücken und herumliegende Polizisten.
Diese ausgesprochenen Ärgernisse liegen einfach so auf jeder Straße. In jedem noch so winzigen und unwichtigen Dorf. Und wenn man sie wie gewohnt mit 60 bis 70 km/h überfährt, streichelt man sanft die Bodenwanne. Auch wenn der Gedanke, einen schlafenden Polizisten auf diese Art und Weise zu wecken, dem einen oder anderen Leser gefallen mag. Es handelt sich hierbei doch eher um französischen Humor, als um tatsächliche Lebewesen.

Bremsschwellen, in meiner Heimat auch „Huppel“ genannt, scheinen in Frankreichs Straßenbauämtern absolut in Mode zu sein. Die Franzosen selbst kümmert das wenig. Sie nehmen die Hindernisse mit Anlauf und Sarkasmus -- und überfahren skrupellos dos d'âne und gendarme couché.

Montag, 30. April 2007

Die Brücke

Hattet ihr heute die Brücke? Ich hatte sie nicht. Dafür aber fast alle Personen meines Foyers... Brücke? Wieso haben wir es jetzt über Brücken? Über Brücken? Überbrücken! Richtig!

Morgen ist Feiertag und da diese gesetzliche Freizeitverordnung auf einen Dienstag fällt, wäre es doch schade, wenn man zwischen Wochenende und dem Tag der Arbeit tatsächlich noch schuften müsste. Der Tag wird überbrückt.

Die Personen haben also einen Tag Urlaub genommen, oder wie man hier sagt: Die Brücke gemacht. Wenn meine zu betreuenden Personen nicht zur Arbeit gehen, bleiben sie zuhause. Das bedeutet im Umkehrschluss: Ich habe zu arbeiten! Da kann ich nur froh sein, dass hier keiner ein Viadukt macht -- das ist dann nämlich alles, was über einen Brückentag hinaus geht.

Samstag, 3. Februar 2007

Je suis kaputt

Die vergangene Woche war etwas kraftraubend. Drei Tage hintereinander musste ich um kurz nach sechs aufstehen, einmal bereits um 7 Uhr 30 in einem anderen département sein. Da ich den Weg ins Bett meistens nicht vor Mitternacht schaffe, konnte ich selbiges nur mit Mühe am nächsten Morgen verlassen.

Ich bin kaputt. Oder um es auf französisch zu sagen: Je suis kaputt.
Sagt sich das? Ja, das ist nicht einmal Umgangssprache! Jeder Franzose sagt und versteht dieses deutsche Wort und gebraucht es genau in diesem Zusammenhang. Sehr praktisch wenn man vor lauter Müdigkeit zunächst kein französisches Wort rausbringt. Jetzt werde ich mich erstmal etwas erholen, denn es ist ja week-end :)

Mittwoch, 24. Januar 2007

Mein erster französischer Schnee

Mein Auto trägt ein weißes Kondom. Viele mögen sich jetzt fragen: Wieso weiß? Es hat geschneit! Mein erster französischer Schnee ist vom Himmel gefallen. Hauterives sieht mit Schneemütze genau so schön aus, wie ich es mir vorgestellt habe! Eine unserer Personen, Soline, sagte dann heute morgen auch sehr passend: „La neige, ça fait jolie décoration du paysage“ Der Schnee, das ist eine schöne Landschaftsdekoration. Das hat sie wohl besonders gefreut, weil ihr Taxi, das sie zur Arbeit fährt, nicht kommen konnte: 10 Zentimeter Glatteis zwischen Fahrbahn und Reifen. Sicherheit geht nun einmal vor. Und à propos 10 Zentimeter: Das mit der Sicherheit gilt ja auch für Geschlechtsverkehr. Ohne in das Intimleben meines Gefährts eindringen zu wollen, so fragt man sich doch: Seit wann verhüten kleine schwarze Autos?

Dazu müssen wir ersteinmal herausfinden, was Cabriolet auf französisch heißt. Man könnte meinen, das sei schon französisch? Richtig. Nur nennt das keiner so. Man spricht von einem décapotable. Darin steckt das Wort capote, was soviel wie Verdeck heißt. Das Wort hat aber auch noch eine zweite Bedeutung. Denn was bei uns ein Pariser ist, ist entgegen aller Vermutungen kein parisien in Frankreich. Nein.

Verdeck = capote
Kondom = capote

Freitag, 19. Januar 2007

Duschobst

Sagt sich das? Natürlich nicht. Auf deutsch fragt man: Sagt man das? Eine von mir häufig gestellte Frage hier in Frankreich. Denn viele Wendungen lassen sich zwar leicht übersetzen. Geläufig sind sie deswegen noch lange nicht. Das beginnt schon bei eben dieser Frage. Auf französisch sagt man: ça se dit? Ist doch auch viel besser! So fragt man das Wort gleich selbst, ob es sich sagt !

Unter diesem Stern möchte ich von nun an mein Zelt der interessanten, lustigen und bisweilen merkwürdigen Phrasen und Vokabeln aufschlagen.

Beginnen wir mit Duschobst.

Eines Morgens, als ich mich mit verschlafenen Augen in die Dusche begab, traf der Wasserstrahl nicht mein Gesicht, sondern nur meine Füße. Der Winkel des Duschkopfes hatte sich verändert. Bei genauerem Hinsehen merkte ich: Der gesamte Duschkopf hatte sich über Nacht gewandelt. Vollmond? Duschkopfwanderung? Frisch geduscht, aber leicht verwirrt ging ich nach unten. „Irgendwas stimmt mit der Dusche nicht“, tat ich am Frühstückstisch kund. Francis hatte die Antwort: „Ich habe heute morgen den Apfel gewechselt.“ - „Ich spreche von der Dusche!“ - „Ich auch, ich habe den Apfel der Badewanne genommen, und ihn in der Dusche angeschraubt.“

Man lerne: Duschkopf = pomme