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Montag, 9. April 2007

Rummel

Es ist dunkel heute. Trotz wolkenlosen Himmels und sommerwarmen Sonnenstrahlen gelangt kaum ein Quäntchen Licht in unser Foyer.

Der Grund ist ein großer Laster. Der steht nämlich direkt vor dem Fenster auf dem Bürgersteig. In dem Laster befinden sich viele kleine Spielzeugautos. Geländewagen, Rennautos, Trecker.

Daneben hausgemachte Dauerwürste, Schuhe, Hüte, Taschen und Tokio-Hotel-Fan-Shirts. Dazwischen schlängelt sich eine schwitzende Maße von angeblichen Schnäppchenjägern und anderem Fußvolk. Es ist Ostermarkt in Hauterives. Direkt vor unserer Haustür.

Als ich vorhin vor die Tür trat befand ich mich sofort in einem Stand. Und wurde natürlich auch prompt von potentieller Kundschaft angesprochen. Ich musste die Herren jedoch leider enttäuschen: „Tut mir Leid, ich kenne mich nicht mit Fensterisolation aus. Ich wohne hier nur.“


La foire [Photoalbum]

Donnerstag, 5. April 2007

Fußwaschung

Die Arche ist eine Organisation in katholischer Tradition. Das ist erst einmal nichts Schlimmes. Für einen kleinen nicht praktizierenden Protestanten heißt das aber: Viele viele neue Eindrücke. Vor allem zu Ostern.

Wir sind -- so habe ich erfahren -- in die semaine sainte, also die Karwoche, eingetreten. Die ganze communauté bereitet sich also auf Ostern vor. Und da so eine Karwoche ziemlich viel Programm mit sich bringt und man viel unterwegs ist, haben wir uns erst einmal gründlich die Füße gewaschen.

Der bibelfeste Leser weiß natürlich, dass es sich dabei weniger um Körperhygiene als vielmehr um einen symbolischen Akt handelt. Es ist ein Zeichen des gegenseitigen Respekts und Wertschätzung. In der Arche bekommt die Fußwaschung sogar noch einen weiteren Sinn. Es ist der Moment, an dem die Personen, die sonst die Hilfe von Assistenten erfahren, ihrerseits einen Dienst erweisen. Auch wenn nicht bei allen Personen sicher ist, dass sie den tieferen symbolischen Sinn begreifen, ist es doch eine besondere Erfahrung, von den Personen „gewaschen“ zu werden, denen man sonst selbst beim täglichen Duschen hilft.

Montag, 26. März 2007

Schilder, Wald

Deutschland ist bekanntlich ein Schilderwald. Will heißen: Vor allem in Städten gibt es einfach zu viele Schilder auf einem Fleck. In Frankreich hat man sich etwas anderes ausgedacht. Dort kann schon ein Schild zu viel sein. Vor allem auf dem Land.

Wir befinden uns irgendwo (siehe Photo) zwischen Châteauneuf und St Donat auf einer verlassenen Straße. Von ihr geht eine noch verlassenere Straße ab und führt... noch weiter aufs Land. Mit viel Glück kommt einem hier alle drei Tage ein Auto entgegen. Dennoch. Hier wird höchstens 45 km/h gefahren! Noch einmal in Worten: Fünf-und-Vierzig Kilometer pro Stunde.

Das Straßenschild tut mir Leid. Es muss sich schrecklich lächerlich und unbeachtet fühlen.

Samstag, 17. März 2007

Geschweige denn ein Wort

Viel zu lange habe ich geschwiegen. Also raus mit der Sprache. Anfang des Monats war ich in Belgien, genauer gesagt in Spa. Den Mit-Bier-vor-dem-Fernseher-Sportlern sagt das jetzt etwas (Formel Eins) und den Geschichtslehrern ebenso (1918, deutscher Kaiser?). Außerdem kommt daher auch das wunderbare und von mir bisher niemals gekostete Mineralwasser. Ein so kleiner Ort von so großer Bedeutung. Da ist man erst einmal sprachlos.

Zusammen mit anderen Assistenten der Arche in England, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Irland haben wir uns dort versammelt -- und kein Wort gesagt. Auf französisch spricht man von einer retraite, im Englischen von einer retreat. Da ich das Rentenalter aber noch nicht erreicht habe, ging es weniger um Rürup-Riester, als eher um etwas Spirituelles.

Gemeinsam haben wir geschwiegen. Vier Tage lang. Für diejenigen, die ihre religiöse Spiritualität erkunden wollten, gab es reichlich Gelegenheit. Für diejenigen, die einfach so zu sich kommen wollten, oder einfach nur eine Auszeit nehmen wollten, war auch das möglich.

Während dieser vier Tage war in allen Räumen und Ecken unseres Gasthauses eine friedliche Ruhe. Einige saßen in Gruppen ums Feuer und lasen in einträchtiger Stille, andere zogen sich zurück auf ihre Zimmer. Gegessen wurde ebenfalls in Stille. Das war besonders lustig, wenn man um den Salzstreuer bat. Der stand dann grundsätzlich am anderen Ende des Tisches.

Dennoch, vollkommene Stille wie in einem Schweigekloster war es nicht. Tagsüber gab es immer wieder Zeiten des Austausches. Da 22 verschiedene Nationalitäten vertreten waren, wurde hauptsächlich Englisch, Französisch und ein wenig Deutsch gesprochen. Diejenigen, die eine der drei Sprachen nicht verstanden, hängten sich Kopfhörer um (ja, umhängen, nicht aufsetzen; siehe Foto). Darüber waren dann Dolmetscher zu hören. Auch ich habe mich zwischendurch als Simultanübersetzer vom Englischen ins Französische versucht. Das ist aber nicht der Rede wert.

Ich will natürlich nicht verschweigen, dass es auch ausgesprochen viel um Religion ging. Das hat mich persönlich nicht all zu sehr angesprochen aber auch keineswegs gestört. Wer also ein bisschen Toleranz und keine Angst vor der Stille hat, sollte die nächste Gelegenheit ruhig einmal nutzen, so etwas mit zu machen.

Ein bisschen Courage braucht man aber auch. Es ist nämlich gar nicht so einfach, den Mund zu halten.

Sonntag, 18. Februar 2007

Fahrradtour

„Wir haben 'ne kleine Fahrradtour gemacht“, sagt Yoann Proteau, „und dabei die Welt erkundet“ könnte er hinzufügen. Denn es stimmt. Zusammen mit seinem Freund
Emmanuel Grossetête hat er eine Weltreise hinter sich. Mehr als 18000 Kilometer haben die beiden zurückgelegt, dabei 20 Länder durchquert -- und zwar per Fahrrad.

Die beiden sind Freunde der Arche. Um ihrer Weltreise einen Sinn zu geben, hatten die beiden sich vorgenommen, möglichst viele Gemeinden der Arche und points-coeur zu besuchen. Nach 16 Monaten sind sie zurück. Hauterives war die zweite Station, nachdem sie damals in der Gemeinde von Myans gestartet waren. Nun sind sie ein zweites Mal zu Besuch, um von ihrer abgeschlossenen Reise zu berichten.

Neben atemberaubenden Landschaftseindrücken haben Yoann und Manu vor allem viel Zwischenmenschliches erlebt. Ob Iran, Türkei, Indien, Argentinien oder Marokko, „die Stimmung im Foyer ist in allen Archen gleich!“ Das freundschaftliche bis familiäre Verhältnis zwischen Assistenten und behinderten Personen ist durch alle Kulturkreise hindurch sehr ähnlich.

Nicht einmal sei man ihnen unfreundlich begegnet. Selbst in den ärmeren Ländern wurden zur Begrüßung Feste gefeiert. Ob auf dem Boden oder am Tisch, zu Essen gab es für die beiden radwandernden Besucher immer genug.

Wer mehr über die détour fraternel von Yoann und Emmanuel erfahren möchte und sich ein bisschen im Französischen zu Recht findet, schaut einmal bei www.detourfraternel.com vorbei.

Sonntag, 4. Februar 2007

Brennblase

Nein, ich habe mir keine Blasenentzündung zugezogen. Es geht also auch weniger um Blasentee als um Alkohol.

Brennblase scheint laut Wikipedia die deutsche Entsprechung für alambic zu sein. Das ist keine Vokabel zum Auswendiglernen. Es reicht, wenn man es für den nächsten Absatz im Gedächtnis behält.

Denn wir haben gestern unsere Leute geschnappt, in den großen roten Bulli gesetzt und sind nach St Désirat
gefahren. Dort gibt es das musée de l'alambic. Eine Schnapsbrennerei die Einblick in ihr Handwerk gewährt. Das Beste: Es war kostenlos. Der perfekte Wochenendausflug für unser immer knapp bei Kasse seiendes foyer.

Die Kostprobe am Ende des Rundgangs schien hingegen nicht kostenfrei zu sein. Ich als Fahrer habe mich gar nicht erst der Versuchung ausgesetzt, die anderen scheinen daran vorbei gelaufen zu sein. Einen leicht alkoholisierten Zustand vermutete ich aber dennoch. Während der gesamten Führung lag ein fast stechender Geruch von Williams Christ in der Luft. Der kam direkt aus den heiligen Stätten der Destillation. Vielleicht sollte ich nochmal gründlich über meine Berufswahl nachdenken.

Mittwoch, 24. Januar 2007

Mein erster französischer Schnee

Mein Auto trägt ein weißes Kondom. Viele mögen sich jetzt fragen: Wieso weiß? Es hat geschneit! Mein erster französischer Schnee ist vom Himmel gefallen. Hauterives sieht mit Schneemütze genau so schön aus, wie ich es mir vorgestellt habe! Eine unserer Personen, Soline, sagte dann heute morgen auch sehr passend: La neige, ça fait jolie décoration du paysageDer Schnee, das ist eine schöne Landschaftsdekoration. Das hat sie wohl besonders gefreut, weil ihr Taxi, das sie zur Arbeit fährt, nicht kommen konnte: 10 Zentimeter Glatteis zwischen Fahrbahn und Reifen. Sicherheit geht nun einmal vor. Und à propos 10 Zentimeter: Das mit der Sicherheit gilt ja auch für Geschlechtsverkehr. Ohne in das Intimleben meines Gefährts eindringen zu wollen, so fragt man sich doch: Seit wann verhüten kleine schwarze Autos?

Dazu müssen wir ersteinmal herausfinden, was Cabriolet auf französisch heißt. Man könnte meinen, das sei schon französisch? Richtig. Nur nennt das keiner so. Man spricht von einem décapotable. Darin steckt das Wort capote, was soviel wie Verdeck heißt. Das Wort hat aber auch noch eine zweite Bedeutung. Denn was bei uns ein Pariser ist, ist entgegen aller Vermutungen kein parisien in Frankreich. Nein.

Verdeck = capote
Kondom = capote

Sonntag, 21. Januar 2007

WSV

Seit dem 10. Januar steht die Abkürzung WSV für Winter-Schluss-Verrückheit. Die sogenannten soldes haben begonnen, und es wird einem schlecht, wenn man dieser Tage einen Laden betritt. Die Franzosen sind fünfmal schlimmer, als ein deutscher Schnäppchenjäger an einem Donnerstagmorgen, kurz nach Ladenöffnung des örtlichen ALDI.

Selbst sonst edel wirkende Läden sind völlig überfordert. Die wahnsinnig gewordene Masse schnetzelt sich mit einer Professionalität durch die Regale und Kleiderständer, dass einem schlecht wird. Die Hälfte der Kleidungsstücke liegt am Boden, weitere fallen herunter und werden von Unheil bringenden Füßen mit Staub bedeckt.

Im Fernsehen werden Aufnahmen gezeigt, wo die wilde Menschenmenge schon um fünf Uhr morgens vor den Geschäften wartet. Tokio-Hotel-Zustände.

Das einzige Lustige bei dem Ganzen: Die Schlange bei den Frauentoiletten ist so lang wie bei einem Volksfest. Aber im Gegensatz zum Festplatz ist hier das Wildpinkeln unpopulär. Ein letztes bisschen zivilisiertes Benehmen haben sie sich also bewahrt, die Franzosen.

Sonntag, 7. Januar 2007

Ich hab die Bohne!

Das hört sich auf deutsch etwas seltsam an, auf französisch klingt das so: J'ai eu la fève!
Wo habe ich die Bohne also gefunden? In einem Stück Kuchen.

Epiphanias (was ist das?), wird in Frankreich mit einer amüsanten Tradition begangen. Der Suche nach der königlichen Bohne im Kuchen.

Zunächst musste ich mich - da ich der Jüngste bin - unter den Tisch setzen. Um mich herum die sexy Beine meiner Mitbewohner und etwas Reis, den mein lieber Patrick geschickt um sich herum verteilt hatte. Ein paar Zentimeter über meinem Kopf wurde der Blätterteigkuchen der Könige (Dreikönigskuchen heißt das? Danke, Leo.) angeschnitten. Ab da an hörte alles auf mein Kommando! Ich habe einen nach dem anderen beim Namen gerufen, erst dann wurde der Kuchen zugeteilt. Als Unparteiischer habe ich mir selbst natürlich als letzter das Stück zukommen lassen... Danach war vorsichtiges Kauen angesagt, denn zwei von uns sollten schon sehr bald auf ein kleines Stück Keramik beißen - und sich dabei möglichst nicht die Zähne ruinieren.
Mein Stück Kuchen war in dieser Hinsicht sehr zuvorkommend: Ich habe es sofort an der Seite herausblitzen sehen. (Gut, Keramik blitzt nicht, aber einen epischen Versuch war es wert.) Früher war im Kuchen eine Bohne versteckt, heutzutage ist sie von der Industrie durch kleine Figuren aus Plastik oder Keramik ersetzt. Wie dem auch sei, wenn man sie findet ruft man: J'ai eu la fève!

Soline neben mir hatte ebenfalls etwas in ihrem Kuchen. Somit wurden wir beiden zu Königin und König gekrönt! Ich habe mich gleich rückversichert, ob das irgendwelche Verpflichtungen mit sich zieht, aber zum Glück war dem nicht so.

Nicht einmal den Abwasch musste ich machen.

[Falls übrigens jemand erklären kann, wie diese Tradition entstanden ist, der möge mir Bescheid geben. Ich war zu schlapp und faul, es heute noch zu recherchieren und die Franzosen waren da niedlicher Weise etwas überfragt.]

Sonntag, 17. Dezember 2006

Vorgeweihnachtet

Unser Direktor Patrick Cocoran, Mouhrad, muslimischer WeihnachtsmannEigentlich ist Weihnachten ja erst am 25. Dezember -- ja, die Franzosen sind genauso spaet dran, wie die Amerikaner -- aber wir konnten es nicht mehr abwarten und haben Jesus Geburtstag vorgefeiert.

[Foto links: Direktor Patrick Corcoran, muslimischer Weihnachtsmann Mourad]

Der Tag begann mit einer Messe in unserer Kapelle. Immer ein Erlebnis wert. Und das nicht nur, weil ich mit den katholischen Riten nicht mitkomme, sondern weil eine Messe in der Arche einfach anders ist. Neben dem Altar war eine Krippe aufgebaut, die jedoch einen leeren Eindruck machte. Jedes Foyer sollte eine Figur der Weihnachtsszene anfertigen. Andaechtig wurden die Jungfrau Maria nebst Esel und Josef hineingetragen. Blosz Jesus hatte ein wenig Verspaetung und wurde nachgereicht.

Danach wurde im groszen Kreis weitergefeiert. Vor der gesamten communauté wurde ich genoetigt, "O Tannenbaum" auf deutsch anzustimmen. Ich haette mich wie unsere Suedamerikanerin rausreden sollen. Die hat einfach behauptet, sie haette den Liedtext nicht auf spanisch gefunden...

Das anschlieszende Krippenspiel war einmalig. Wir hatten die besten Schafe und die besten Engel, die man engagieren kann. Selbst Josef war genial. Mit der Einstellung eines Midlifecrisisgeschaedigten ueberliesz er dem erstbesten Hirten das Feld, verliesz den Stall und seine Jungfrau und setzte sich an den Rand. Herrlich :)

Der Abend nahm seinen Hoehepunkt im Festessen im familiaeren Rahmen unseres Foyers. Festessen kann hier woertlich genommen werden, denn ich musste aufpassen, dass ich mich nicht festesse. Hier das Essensaufkommen des heutigen Abends. Garniert mit franzoesischer Uebersetzung zum Auswendiglernen fuer meine lieben Nachhilfeschueler:

Vorspeise (entrée)
- Garnelen (crevettes)
- Lachs (saumon)
- Stopfleber (foie gras)
- Toast (pain de mie)

Hauptgang (plat)
- Kaesefondue (fondue savoyarde)
- Fleischfondue (fondue bourguignonne)
- Rot- und Weiszwein (du rouge et du blanc)

Nachtisch (dessert)
- Kuchenaehnliches leckeres Gebaeck (Bûche de Noël)
- Wein aus der Drôme (Clairette de Die)
- Viele Weihnachtssueszigkeiten :)

Diejenigen, die nun ein gewisses Neidgefuehl entwickelt haben, sind herzlich eingeladen, die bauchschmerzigen Nachwirkungen mit mir zu teilen...

Dienstag, 12. Dezember 2006

Fröhliche Weihnacht überall... tönt es durch die Lüfte -- froher Schall?

Und das ist nichtmal gelogen. Seit heute morgen 10 Uhr wird ganz Hauterives weihnachtlich beschallt.

Seit ich hier bin, habe ich mich immer gefragt, was eigentlich die ganzen Lautsprecher an den Waenden der Haeuser zu suchen haben. Der Alarm des Rettungsdienstes ist es naemlich nicht. Waere auch unnoetig, denn der ist ja so schon laut genug. Nein, diese vielen kleinen niedlichen Lautsprecherlein dienen einzig und allein dazu, an Volksfesten Stimmung zu verbreiten.

Da wir nun dem Weihnachtsfest bedrohlich nahe ruecken, erfreuen wir uns alle an entsprechender Musik aus quaekigen Beschallungsanlagen. Da geht es mir gleich viel weihnachtlicher!

Samstag, 9. Dezember 2006

Zelebrierte Tradionswurst

Vor unserer Tuer, auf dem Marktplatz von Hauterives, wird heute die Wurst gefeiert.
Das ganze hat etwas von einem kleinen Jahrmarkt. Ponyreiten, Tombola, Trinken - und die Wurst.

Es scheint mir, dass die Franzosen gerne ihre Naturalien feiern. So ist dieses Fest wirklich in der Umgebung als "fête de boudin" angekuendigt worden. Boudin ist der Name dieser zu Weihnachten zelebrierten Traditionswurst. Es gibt sie in weisz und in schwarz. Sie ist lang, sieht fettig aus und liegt bereits in unserem Kuehlschrank. O-Ton einer unserer Personen heute morgen: "Ob schwarz oder weisz, ich schlucke sie alle." ...

Auch Feste des Apfels, des Brotes und der Pflaume sind nicht unueblich. Das Fest des Weins gibt es auch, sogar noch besser: Es werden die verschieden Sorten gefeiert ;) Ich habe schonmal vorsichtig angefragt, ob wir nicht mal eine Weinprobe machen koennten.

Bis dahin bleibt mir ja die Wurst.

Donnerstag, 7. Dezember 2006

Deutsches Biernetzwerk

Welch Freude! Da geht einer unserer Personnen fuer ein Praktikum in eine andere communauté und mit was kommt er zurueck? Mit einem Paeckchen fuer mich!
Merkmale: Laenglich, schwer.

Ich oeffne also das Paket und was sehe ich? Bier, mit deutschem Etikett! Ich hab nicht schlecht gestaunt... Mit dabei ein Brief. Von wem kam also dieses geheimnisvolle Paeckchen?
Von Bene, den ich auf dem Vorbereitungsseminar in Erfurt kennengelernt habe. Er lebt ebenfalls in einer Arche in Frankreich und hat wohl unseren Praktikanten von mir erzaehlen gehoert.

Hiermit vielen Dank fuer diese kleine Ueberraschung! Die Flaschen hebe ich mir fuer einen besonderen Anlass auf . Sobald ich nach Weihnachten mein Bier importiert habe, bekommst Du Post;) Spaetestens dann sollten wir das Deutsche Biernetzwerk eroeffnen. Denn ich glaube in einem sind wir uns einig: Franzoesisch Bier ist einfach nicht gut.

Dienstag, 10. Oktober 2006

Ein Stueck Franzose

Mein Portemonnaie fuellt sich so langsam mit Karten, die mich – symbolisch gesprochen – immer mehr ein Stueck Franzose werden lassen.

Doch die Buerokratie in Frankreich nimmt sich nichts im Vergleich zur deutschen. Bis zum von Plastik eingerahmten Chip war es ein langer Weg.

Bankgeschaefte
Man sollte meinen, jede Bank freut sich ueber neue Kunden mit geregeltem Einkommen.

Das dachte ich mir zumindest, als ich bei der ortsansaessigen "Crédit Agricole" – kurz CA – ein Konto eroeffnen wollte. Mit einer Bescheinigung meines Arbeitgebers ueber einen festen Wohnsitz, eine Sozial- und Krankenversicherung, sowie einer Gehaltsbescheinigung ging ich frohen Mutes zum Kundenberater meines Vertrauens. Selbst Personalausweis und genuegend Zeit hatte ich mitgebracht. Ersteres wurde sofort kopiert, letzteres stellte sich als unnuetz heraus:

Um ein Konto zu eroeffnen, durfte ich ersteinmal einen Termin vereinbaren. Wie beim Friseur – und ich spreche von der Wartezeit. Fast eine Woche spaeter, an einem Samstagmorgen um neun Uhr, ging ich also erneut zur Bank. Relativ zuegig und mit einem freundlichen Laecheln wurde mir klar gemacht, dass ich und mein Geld nicht erwuenscht sind. "Sie koennen ein Konto eroeffnen. Aber Sie werden weder Bankkarte noch Cheques erhalten. Vielleicht ist es Ihnen auch lieber, bei einem anderen Institut ein Konto einzurichten."

Man muss dem Filialleiter jedoch zu Gute halten, dass er sich nach dieser subtilen Ablehnung doch noch erklaerte. In der vergangen Zeit habe er zunehmend Probleme mit der Arche gehabt. Welche Probleme das waren, war nicht zu erfahren. Doch muessen es gewaltig viele sein, denn die Arche regelt ihre gesamten Finanzen ueber diese Filiale...

Nach diesem ernuechternden Ereigniss und einem gewissen Unmut darueber, dass sich das fruehe Aufstehen nicht gelohnt hatte, informierte ich mich dann bei den anderen Assistenten. Wie sich herausstellte, war ich zwar der Erste, der auf diese Art und Weise herauskomplimentiert wurde, aber schlechte Erfahrungen mit den Kundenberatern hatten schon einige vor mir gemacht.

Die Woche darauf fuhr ich mit all meinen Bescheinigungen in den naechsten Ort. Zum selben Kreditinstitut. Zwar musste ich auch dort erst wieder auf einen freien Termin – fuenf Tage spaeter – warten, aber war ich am Ende doch erfolgreich. Ueber eine Stunde sasz ich in der Bank und unterschrieb gefuehlte hundert Formulare. Unten links die Initialen setzen, in drei Sekunden das Kleingedruckte ueberfliegen, das Misstrauen runterschlucken, und wieder unterschreiben.

Jetzt bin ich stolzer Besitzer einer carte bancaire, mit der ich bis auf Maut und Tankautomaten alles bezahlen kann. Selbstverstaendlich kann ich auch Geld abheben. Deswegen zog es mich nach Erhalt meiner Karte aus irgendeinem (Rache-)Gefuehl zu unserer CA-Filiale, wo ich langsamen Schrittes am Schalter vorbei zum Geldautomaten ging und froehlich in mich hinein grinste.

Krankenversichert
... bin ich nun auch. Und zwar gleich doppelt.
Noch in Deutschland habe ich meine Krankenversicherung fuer ein Jahr ausgesetzt. Denn ueber meine Entsendeorganisation VIA e.V. bin ich durch einen Gruppenvertrag bei der VICTORIA versichert und kann mich deshalb im Krankheitsfall bei der "fid" melden, wenn ich mein Geld zurueck moechte. Alles klar?

Fuer die Arche ist es aber Pflicht, dass ich im franzoesischen System versichert bin. Die Kosten uebernimmt mein Arbeitgeber und der Staat. Ich besitze nun wie so ziemlich jeder Franzose die sogenannte carte vitale. Ich habe keine Ahnung, wer im Krankheitsfall eigentlich wo was zahlt. Die Karte macht sich aber ganz nett in meinem Portemonnaie.

Ich hoffe, wenn ich krank werde, gleich ins Koma zu fallen. Dann koennen die anderen sich den Kopf zerbrechen, welche Karten sie zuecken muessen.